{"id":31471,"date":"2016-05-10T16:48:33","date_gmt":"2016-05-10T12:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/1905.az\/ru\/?p=31471"},"modified":"2016-05-10T16:49:09","modified_gmt":"2016-05-10T12:49:09","slug":"der-beginn-des-armenisch-aserbaidschanischen-konfliktes-oder-die-vorgeschichte-des-kampfes-um-berg-karabach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/1905.az\/de\/der-beginn-des-armenisch-aserbaidschanischen-konfliktes-oder-die-vorgeschichte-des-kampfes-um-berg-karabach\/","title":{"rendered":"Der Beginn des armenisch-aserbaidschanischen Konfliktes oder die Vorgeschichte des Kampfes um Berg-Karabach"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-20031\" src=\"http:\/\/1905.az\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/150.jpg\" alt=\"150\" width=\"653\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/1905.az\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/150.jpg 653w, https:\/\/1905.az\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/150-300x162.jpg 300w, https:\/\/1905.az\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/150-624x337.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201e Der Mensch denkt zwar, aber in seinem Gehirn gibt<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>es kein Gedankenzentrum. Daf\u00fcr hat er ein Sprachzentrum<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>und ein Propagandazentrum. \u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Owanes Mkrtjschjan<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Armenier, wie auch andere christliche Gemeinden im Nahen Osten, hatten besondere Beziehungen zu einer der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Machte, das expansionistische Ziel verfolgte. In diesem Fall war dies Russland. Das B\u00fcndnis der Armenier mit Russland war eine der schicksalstr\u00e4chtigen Allianzen in der Geschichte des S\u00fcdkaukasus. Die Armenier erhielten von Russland in der Vergangenheit wie auch heute so viel Wohlwollen und gro\u00dfz\u00fcgigen Gro\u00dfmut wie kaum ein anderes Volk im S\u00fcdkaukasus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Experte R. Achari meint, dass \u201edie Krise von Karabach, die eine mehr als hundertj\u00e4hrige Geschichte hat, mit der Ansiedlung der Armenier in einen Teil des Territoriums des Kaukasus, der von Moslems bewohnt war, begann. In der Anfangsphase war der Hauptgrund der Entstehung dieser Krise die Politik des zaristischen Russlands, das die Ausdehnung nach S\u00fcden anstrebte und der Kaukasusregion gro\u00dfe Bedeutung zuma\u00df&#8230; Die Umsetzung dieses Planes bestand darin, dass man die Ansiedlung der aus dem Iran, aus Anatolien, Kleinasien, dem Libanon und den anderen Regionen des Globus kommenden Armeniern im S\u00fcdkaukasus, insbesondere auf dem Territorium des heutigen Aserbaidschans, nutzte. Diese Migrationen wurden mit der jahrelangen Absicht der Armenier, einen allumfassenden Nationalstaat zu schaffen, umgesetzt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Autor beschreibt v\u00f6llig richtig die Ausgangsgr\u00fcnde des Konfliktes zwischen den Armeniern und den Aserbaidschanern des S\u00fcdkaukasus, obwohl die Sprache der Darlegung etwas ,,h\u00f6lzern\u201c ist. Nach Ansicht von O. Alstadt sind die Wurzeln des Konfliktes unbedingt in den historischen Unterschieden zu suchen, durch die die zaristischen Beh\u00f6rden jahrelang die Forderung von Fanatismus und selbst Gewalt als Kontrollmittel in ihrer Kolonialpolitik manipulierten. Die \u00c4nderung des territorialen Status quo auf Kosten aserbaidschanischen Landes war schon immer das Bestreben der Armenier, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, als den scharfsinnigeren armenischen Theoretiker klar wurde, dass Gebiete f\u00fcr einen neuen Staat kaum zu Lasten der T\u00fcrkei zu erhalten sein wurden.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"6\">\n<li>Swietochowski bemerkt in seiner Schlussfolgerung \u00fcber die Ursachen des Konflikts zwischen den Armeniern und den Aserbaidschanern zu Recht, dass Russland unter den V\u00f6lkern des Transkaukasus eindeutig Armeniern bevorzugte. Die bewaffnete ethnische Opposition zwischen den Armeniern und den Aserbaidschanern begann bereits am 6. Februar 1905 in Baku. Die Gewalt dauerte in der Folgezeit an und breitete sich auf andere Teile des Transkaukasus aus, die gemischte aserbaidschanische und armenische Bev\u00f6lkerung hatten. Anstifter der Kampfe, deren Zentrum sich nach Berg-Karabach verlagerte, waren Armenier. Die Daten der verschiedenen Quellen \u00fcber die Gesamtzahl der \u201eunwiederbringlichen Verluste\u201c, d.h. der Toten, weichen betr\u00e4chtlich voneinander ab: 3.100 bis 10.000. Die meisten Toten waren auch damals Aserbaidschaner.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Vorabend des Ersten Weltkriegs erwacht seitens Russlands wieder das Interesse an den osmanischen Armeniern, da in diesem Krieg Russland und das Osmanische Reich Gegner waren, und die Ausnutzung der Armenier gegen das Osmanische Reich den russischen Interessen entsprach. Nach der neuen Situation orientieren sich die armenischen Politiker wieder anders &#8211; nach Russland.&#8221; &#8220;Sie st\u00fctzten sich haupts\u00e4chlich auf die Hoffnungen, dass nach dem Sieg der Entente das Osmanische Reich zerschlagen w\u00fcrde und die Regierung des Zaren den Armeniern die Selbstbestimmung im Kaukasus und in den \u00f6stlichen Vilajets des Osmanischen Reiches geben w\u00fcrde. Russland, das seine Absichten bez\u00fcglich der Armenier darlegte (im Appell des Zaren von 1914) st\u00e4rkte sozusagen diese Hoffnungen. Zar Nikolaus der Zweite, der sich an die Armenier gewandt hatte, befahl, dass sie mit ihren Br\u00fcdern unter dem Schutz des Zaren vereinigt werden und schlie\u00dflich den Segen der Freiheit und der Gerechtigkeit erhalten sollten. \u201eJedoch verdient die Tatsache Erw\u00e4hnung, dass in diesem Appell weder eine Andeutung noch ein Wort \u00fcber Unabh\u00e4ngigkeit, \u00fcber Autonomie oder gar \u00fcber eine autonome Selbstbestimmung enthalten war.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts desto trotz gaben die mitrei\u00dfenden Politiker der Partei Daschnakzutjun die L\u00f6sung der Wiederherstellung des \u201eGro\u00dfen Armenien\u201c aus und begannen mit der Bildung von Truppen aus den aus der Osmanischen Armee desertierten Armeniern. Praktisch eine zweite Front gegen die osmanische Armee er\u00f6ffnend, begannen sie mit Bestrafungsaktionen gegen die nichtchristliche Bev\u00f6lkerung der \u00f6stlichen Vilajets mit dem Ziel ihrer Aussiedlung oder Vernichtung und der Schaffung eines eigenen Staates auf ,,befreitem\u201c Territorium. Der Au\u00dfenminister des Osmanischen Reiches Talaat-Pascha war zum Handeln gezwungen und erlie\u00df am 24. April 1915 den Befehl \u00fcber die Situation der aktivsten ,,Partisanen-\u201cT\u00e4tigkeiten der Armenier in der Region. Im Befehl hie\u00df es, dass die j\u00fcngsten Aufstande in Sejtun. Bitlis, Siwas und Van die anhaltenden Versuche der armenischen Komitees zeigten, \u00fcber ihre politischen Kampforganisationen eine autonome Verwaltung f\u00fcr sich auf dem Territorium des Osmanischen Reiches zu erreichen. Der Befehl sah die Verhaftung aller F\u00fchrer des Komitees und deren \u00dcberf\u00fchrung in andere Provinzen vor. die Entwaffnung der illegal geschaffenen Kampfgruppierungen der Armenier und ihre Bestrafung nach Milit\u00e4rrecht. Aber nach einem Monat, am 17. Mai 1915 nahmen die armenischen Verb\u00e4nde Van ein, riefen eine \u201eArmenische Republik Van\u201c aus und zerst\u00f6rten den<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">moslemischen Teil der Stadt fast v\u00f6llig. Allein in dieser ,,Republik\u201c und den umliegenden Gebieten wurden rund 30.000 Moslems (Angaben von Feigl, S. 75-78) get\u00f6tet. Als Reaktion auf diese massiven Verratsaktivit\u00e4ten ver\u00f6ffentlichte die osmanische Regierung am 1. Juni 1915 einen Erlass \u00fcber die Umsiedlung der unter dem Einfluss der Agitation der Politiker von Daschnakzutjun stehenden \u00e4u\u00dferst unzuverl\u00e4ssigen armenischen Bev\u00f6lkerung aus den aktiven<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">oder sich bewegenden Frontzonen. So begann die gro\u00dfe Trag\u00f6die des armenischen Volkes 1915.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig spitzte sich die innere Situation in Russland zu, wo eine Reihe revolution\u00e4rer Ver\u00e4nderungen anstand. Nach dem bolschewistischen Umsturz im Oktober 1917 war die Macht in Baku, wo sehr viele Armenier wohnten, in den H\u00e4nden des Sowjets von Baku. Vorsitzender des Exekutivkomitees des Sowjets von Baku war das Mitglied der bolschewistischen Partei, der Armenier S.Schaumjan, der aktiv in der Partei \u201eDaschnakzutjun&#8221; mitgearbeitet hatte. Die aserbaidschanische Partei ,,Mussawat\u201c forderte die Autonomie f\u00fcr die Aserbaidschaner innerhalb Russlands. Bekannt ist, dass S.Schaumjan ein entschiedener Gegner dieser Idee war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Ziel der Diskreditierung dieser Idee veranstalteten die Truppenformationen des Sowjets, die in beachtlichem Umfang aus Armeniern bestanden, im Marz 1918 im Ujesd Baku von Aserbaidschan ein wahres Blutbad &#8211; sowohl unter den Anh\u00e4ngern des genannten Plans der Partei ,,Mussawat\u201c als auch allgemein unter den Moslems, hauptsachlich Aserbaidschanern. Nach einigen offiziellen Angaben wurden an einem einzigen Tag, am 31. Marz, in Baku \u00fcber<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">30.000 Moslems, hauptsachlich Aserbaidschaner, get\u00f6tet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schaumjan selbst charakterisierte diese Vorkommnisse wie folgt: \u201eWir&#8230; er\u00f6ffneten die Offensive auf der ganzen Front&#8230; wir hatten schon Streitkr\u00e4fte, rund 6.000 Mann. ,,Daschnakzutjun\u201c hatte auch ungef\u00e4hr 3.000-4.000 nationale (Unterstreichung von mir &#8211; J.R.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verb\u00e4nde, die zur unserer Verf\u00fcgung standen. Die Beteiligung der letzteren gab dem B\u00fcrgerkrieg teilweise den Charakter eines nationalen Blutbades &#8230; (Unterstreichung von mir &#8211; J.R.) Wir taten das (d.h. das nationale Blutbad! -.) bewusst&#8230; Wenn sie in Baku die Oberhand gewinnen wurden, w\u00fcrde die Stadt zur Hauptstadt von Aserbaidschan (Unterstreichung von mir &#8211; R. J.) erkl\u00e4rt\u201c. Aber die Plane der armenischen Anf\u00fchrer waren ganz andere. Die bewaffneten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daschnaken-Einheiten setzten die St\u00f6rung der \u00f6ffentlichen Ordnung in den Ujesden Schemacha und Guba, in Lenkoran, Chatschmas, Adschibulag, Saljany und anderen Orten fort. Bis Ende April 1918 wurden von den bolschewistischen Truppen, in denen der aktivere und aggressivere Teil aus armenischen K\u00e4mpfern bestand, \u00fcber 50.000 Moslems get\u00f6tet, die zum ganz \u00fcberwiegenden Teil Aserbaidschaner waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Marz bis Juli sorgten bewaffnete armenische Einheiten, die namens der Sowjetmacht handelten, zielgerichtet f\u00fcr eine so umfangreiche Vernichtung der aserbaidschanischen Bev\u00f6lkerung des Gouvernements Baku, dass dies als V\u00f6lkermord bezeichnet werden kann. Und der erste Schlag war gegen die aserbaidschanische Bev\u00f6lkerung Bakus gerichtet. Das Mitglied des Au\u00dferordentlichen Untersuchungsausschusses, der Jurist A.E. Kluge, bezeugt in seinem Vortrag \u201e\u00fcber die Gewalt gegen die moslemische Bev\u00f6lkerung der Stadt Baku\u201c nicht nur das Ausma\u00df des Verbrechens (allein 11.000 Tote nur in Baku) und die schrecklichen Verbrechen und Pl\u00fcnderungen, sondern zieht daraus auch den Schluss, dass diese blutigen Ereignisse keinen zuf\u00e4lligen und spontanen Charakter hatten, sondern im Voraus vorbereitet waren. Dieser kurze Exkurs in die Vorgeschichte des Kampfes um Berg-Karabach erm\u00f6glicht eine deutlichere Vorstellung von der Tiefe der Wurzeln dieses Kampfes, dem Charakter der armenischen Aggression gegen die Republik Aserbaidschan und der M\u00f6glichkeit der Erstellung zus\u00e4tzlicher Einsch\u00e4tzungen der realen v\u00f6lkerrechtlichen M\u00f6glichkeiten der L\u00f6sung des Konfliktes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aus dem Buch &#8220;Berg-Karabakh in der Geschichte Aserbaidschans und die Aggression Armeniens gegen Aserbaidschan&#8221; von Johannes Rau, Verlag Dr. K\u00f6ster, 2009, Seite 189<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e Der Mensch denkt zwar, aber in seinem Gehirn gibt es kein Gedankenzentrum. 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