{"id":35690,"date":"2016-10-14T18:33:53","date_gmt":"2016-10-14T14:33:53","guid":{"rendered":"http:\/\/1905.az\/de\/?p=35690"},"modified":"2016-10-18T13:36:12","modified_gmt":"2016-10-18T09:36:12","slug":"die-schaffung-des-autonomen-gebiets-berg-karabach-nkao-innerhalb-der-aserbaidschanischen-ssr-und-die-versuche-der-aenderung-seines-status-der-udssr-vor-der-perestrojka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/1905.az\/de\/die-schaffung-des-autonomen-gebiets-berg-karabach-nkao-innerhalb-der-aserbaidschanischen-ssr-und-die-versuche-der-aenderung-seines-status-der-udssr-vor-der-perestrojka\/","title":{"rendered":"Die Schaffung des Autonomen Gebiets Berg-Karabach (NKAO) innerhalb der Aserbaidschanischen SSR und die Versuche der \u00c4nderung seines Status in der UdSSR vor der Perestrojka"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/1905.az\/de\/die-schaffung-des-autonomen-gebiets-berg-karabach-nkao-innerhalb-der-aserbaidschanischen-ssr-und-die-versuche-der-aenderung-seines-status-der-udssr-vor-der-perestrojka\/bergkarabach\/\" rel=\"attachment wp-att-35691\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-35691\" src=\"http:\/\/1905.az\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Bergkarabach.jpg\" alt=\"bergkarabach\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/1905.az\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Bergkarabach.jpg 800w, https:\/\/1905.az\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Bergkarabach-300x200.jpg 300w, https:\/\/1905.az\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Bergkarabach-768x512.jpg 768w, https:\/\/1905.az\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Bergkarabach-624x416.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMit Worten stehen alle Politiker auf dem Weg des Rechts und der Gerechtigkeit,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">aber jeder von ihnen geht seinen eigenen Weg &#8211; einen pragmatischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Politiker-Idealisten, die \u201enach Gerechtigkeit \u201c handeln,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">leben auf dem Staats-Olymp nicht lange.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eleukulow Koscherbaj<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den nach der Februar- und der Oktoberrevolution 1917 in Russland und in noch groBerem Umfang im S\u00fcdkaukasus entstandenen Zustand des politischen Chaos versuchten die nationalistischen armenischen Kr\u00e4fte, insbesondere die Daschnakzutjun-Anh\u00e4nger, zur Erreichung ihrer Expansionsziele auszunutzen. Der im Oktober 1917 in Tiflis tagende Armenische Nationalkongress forderte namens aller Armenier, des gesamten armenischen Volkes, ihm die von den russischen Truppen eroberten nord\u00f6stlichen Rayons der T\u00fcrkei abzutreten und hier Westarmenien zu schaffen. Diese Idee wurde auch von W.I. Lenin unterst\u00fctzt, der per Dekret vom 28. Oktober 1917 das Recht von Westarmenien auf die volle Selbstbestimmung und die staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t best\u00e4tigte. In den ersten Jahren der Sowjetherrschaft versch\u00e4rfte sich emeut der territoriale Streit zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Gebietsanspr\u00fcche Armeniens an Aserbaidschan, obwohl die kommunistischen Herrscher bem\u00fcht waren, diese Probleme zu entsch\u00e4rfen. Das Aserbaidschanische Revolutionskomitee (Asrewkom) war bestrebt, die Interessen des gesamten Volkes von Aserbaidschan, die gesamtnationalen Interessen, und nicht nur die der kommunistischen Spitze zu vertreten. Im Mai 1920 forderte das Asrewkom ultimativ den Abzug der bewaffneten armenischen Einheiten aus Berg-Karabach und Sangesur. Die Dschnaken-Regierung in Erewan erf\u00fcllte die Forderung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber im Juli 1920 begannen neue, von daschnakischen Aktivisten organisierte bewaffnete armenische \u00dcberf\u00e4lle in Karabach, Nachitschewan und Sangesur. Die Daschnaken-Regierung in Erewan unterst\u00fctzte diese \u00dcberf\u00e4lle organisatorisch und materiell. Mit Waffen aus Gro\u00dfbritannien und Italien \u00fcberfielen die Anh\u00e4nger der Daschnaken die moslemische, d.h. haupts\u00e4chlich aserbaidschanische, Bev\u00f6lkerung nicht nur in den genannten Regionen, sondern auch in den Gouvemements Kars und Eriwan. Im August 1920 zettelte die Daschnaken-Regierung Armeniens einen abenteuerlichen Konflikt mit der T\u00fcrkei Kemals an. T\u00fcrkische Truppen drangen erneut in Armenien ein und besetzten, da sie keinen nennenswerten Widerstand antrafen, Sarykamysch (am 13. September), Kars (am 30. Oktober) und Alexandropol (am 5. November) und bedrohten auch Eriwan. Nach einer ganzen Reihe schwerer Niederlagen durch die t\u00fcrkischen Verb\u00e4nde unter dem Kommando von Karabekir und Khalil-Pascha war die Regierung in Erewan gezwungen, im Dezember 1920 einen fur sie schweren \u201eFriedensvertrag&#8221; zu unterzeichnen. Dieses Mai erhielt die Daschnaken-Regierung keine Unterst\u00fctzung und keine staatliche Milit\u00e4rhilfe aus den USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und Italien. Und im November 1920 wurde die Regierung von den Bolschewiki gest\u00fcrzt. Am 2. Dezember 1920 \u00fcbernahmen die armenischen Kommunisten offiziell die Staatsmacht in Armenien. Jedoch waren ihre Positionen au\u00dferhalb Erewans noch recht schwach. Am 1. Dezember 1920 erkl\u00e4rte der Parteisekret\u00e4r der Bolschewiki Sowjet-Aserbaidschans, Nariman Narimanow, vermutlich befl\u00fcgelt von der kommunistischen ,,Solidarit\u00e4t\u201c: \u201eDie werkt\u00e4tige Bauemschaft von Berg-Karabach erhalt das voile Recht auf Selbstbestimmung.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne detaillierte Erl\u00e4uterungen konnte der Inhalt des Ausdrucks \u201eSelbstbestimmung\u201c, der auch im Rahmen der territorialen Integrit\u00e4t des Staates realisiert werden kann, und des Ausdrucks ,,Bauemschaft\u201c I der Erkl\u00e4rung Narimanows von den radikalen armenischen Nationalisten als Recht auf Abspaltung Karabachs von Aserbaidschan angesehen werden. In Moskau gingen die Meinungen \u00fcber die administrative Zugehdrigkeit von Berg-Karabach auseinander. Bekannt ist, dass Wladimir Lenin es ablehnte, sich in das Wesen der Grenzstreitigkeiten bez\u00fcglich Berg-Karabach zu vertiefen, auf Grund dessen, dass nach dem Sieg der Revolution weltweit die Grenzen wie auch die Nationen verschwinden w\u00fcrden. Eine solche Logik der vom heutigen Standpunkt aus gesehen \u201eseltsamen&#8221; Er\u00f6rterung war damals den Bolschewiki verst\u00e4ndlich: es lohnte sich nicht, sich \u00fcber aktuelle funktionale Probleme den Kopf zu zerbrechen, weil nach der Ankunft am Bestimmungsort &#8211; im Kommunismus &#8211; diese Probleme von selbst verschwinden wurden. Der Volkskommissar fur Nationalit\u00e4tenfragen Josef Stalin willigte aufgrund seiner realistischeren Einstellung in die Bildung der Autonomie im Rahmen von Aserbaidschan ein. Gegen Ende 1920 nahmen jedoch der politische Kampf und der B\u00fcrgerkrieg eine solche Wendung, dass Stalin den armenischen Bolschewiki einen Trumpf geben musste, wenn er die Volksmassen auf seine Seite ziehen wollte. Damals ver\u00f6ffentlichte er auch in der Zeitung \u201ePrawda&#8221; den Artikel \u201eHoch lebe Sowjet-Armenien!\u201c, in dem er territoriale Zugestandnisse Sowjet-Aserbaidschans an Sowjet-Armenien bekanntgab: \u201eAm 1. Dezember 1920 verzichtet Sowjet-Aserbaidschan freiwillig auf die umstrittenen Provinzen und erklart die \u00dcbergabe von Sangesur, Nachitschewan und Berg-Karabach an Sowjet-Armenien. \u00a0Au\u00dfenminister G. Tschitscherin neigte einer anderen L\u00f6sung zu. Am 19. Juni 1920 schrieb er: \u201eKarabach, Sangesur, Nachitschewan und Dschulfa d\u00fcrfen weder zu Armenien geh\u00f6ren, noch an Aserbaidschan angegliedert werden; mit Zustimmung der ortlichen Sowjets m\u00fcssen sie direkt den russischen Truppen unterstellt werden.&#8221; F\u00fcr die Zugeh\u00f6rigkeit von Berg-Karabach zu Aserbaidschan sprechen die Geschichte, das Recht, die Geographie und wirtschaftliche Faktoren &#8211; f\u00fcr die Zugeh\u00f6rigkeit zu Armenien oder f\u00fcr die Autonomie spricht die armenische Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, f\u00fcr \u201edie direkte Unterstellung unter die russischen Truppen\u201c nur der diese Truppen bestimmende Wunsch. Im Mai 1921 wurde bei der Unterzeichnung des sowjetischt\u00fcrkischen Vertrags ein besonderer Status fur den Ujesd Nachitschewan bestimmt: er bildet ein autonomes Territorium unter dem Protektorat von Aserbaidschan ohne das Recht der \u00dcbertragung an einen dritten Staat. Innerhalb der T\u00fcrkei wurden die in der Vergangenheit von Russland befreiten Gebiete Kars, Ardagan und Sarykamysch belassen. Ebenfalls 1921 wurden von den Sowjets die ,,Erwerbung\u201c von Sangesur und eines beachtlichen Teils der Ujesd Kasach (Gasach) durch Armenien angeordnet, insgesamt rund 9000 Quadratkilometer, deren Bev\u00f6lkerung im Wesentlichen aus Aserbaidschanem bestand. Infolge der \u00dcbertragung von Sangesur wurde der Kreis Nachitschewan vom restlichen Aserbaidschan abgeschnitten. In gleicher Weise verf\u00fcgte die bolschewistische Herrschaft 1922 \u00fcber das Land von Dilischan und G\u00f6jca (Scharur-Daralegeskie Gebiete). Als Kompromissl\u00f6sung wurde die Schaffung einer autonomen Verwaltungseinheit innerhalb Sowjet-Aserbaidschans vorgeschlagen. Von der h\u00f6chsten regionalen Autorit\u00e4t der \u00f6rtlichen Kommunisten, dem Kaukasischen B\u00fcro, wurde am 5. Juli 1921 diese Autonomie beschlossen. Unter Ber\u00fccksichtigung der \u201eNotwendigkeit der Wirtschaftsverbindungen zwischen Berg-Karabach und der Ebene Karabachs und seiner st\u00e4ndigen Verbindung zu Aserbaidschan verbleibt Berg-Karabach, nachdem es breite regionale Autonomie erhalten hat, mit der Stadt Schuscha als Verwaltungszentrum innerhalb der autonomen Region, in den Grenzen der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik.&#8221; Im Protokoll dieser Sitzung des Kaukasischen B\u00fcros war festgehalten, dass sieben Mitglieder f\u00fcr den Beschluss stimmten und drei sich der Stimme enthielten. Gegenstimmen gab es nicht. Am 7. Juli wurde per Dekret des aserbaidschanischen Exekutivkomitees der Sowjets aus dem Bergteil von Karabach, der fr\u00fcher zum Gouvernement Elisawetpol geh\u00f6rt hatte, der Nagorno-Karabachskaja Awtonomnaja Oblast (NKAO, Autonomes Gebiet Berg-Karabach) innerhalb der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik geschaffen. Die neue Verwaltungseinheit umfasste eine Flache von 4400 Quadratkilometern oder 5,1% des Territoriums der Aserbaidschanischen SSR. Hauptstadt der Autonomie wurde die Stadt Chankendi, danach (im September 1923) umbenannt in Stepanakert nach dem armenischen Bolschewiken Stepan Schaumjan. Nach dem territorialen Aufbau 1921 kamen zu Berg-Karabach auch die abgetrennten Gebiete des Schaumanowskij und des Latschinskij Rayons der Aserbaidschanischen SSR. Gerade dazu wurde den Parteiorganen ein schriftliches Gesuch der Armenier von Berg-Karabach \u00fcbermittelt mit der Bitte, sie innerhalb der Republik Aserbaidschan zu belassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hauptmotivation war die wirtschaftliche Zweckm\u00e4\u00dfigkeit und faktische wirtschaftliche Lage der Armenier von Berg-Karabach, die sehr viel besser war als die des benachbarten Armenien. Was Armenien betrifft, so wurde es nach den Ideen der Sch\u00f6pfer der kommunistischen Nationalpolitik dennoch \u201enirgends entstehen k\u00f6nnen\u201c, da es sich unter st\u00e4ndiger Bedrohung seitens der benachbarten T\u00fcrkei befand, mit der Stalin &#8211; insbesondere zwecks Umsetzung seiner Nationalit\u00e4tenpolitik &#8211; zielstrebig gute Beziehungen aufbaute. Der in der Sowjetzeit legend\u00e4re Armeef\u00fchrer der \u201eRoten Reiterarmee&#8221; S. Budjonnyj schrieb sp\u00e4ter in seinen Memoiren, der Befehl Stalins zur \u00dcberlassung von Batumi an die T\u00fcrken sei ihm unverst\u00e4ndlich gewesen und er habe, sich offensichtlich den Unwillen Stalins zuziehend, die Stadt entgegen diesem Befehl eingenommen. Aber die Batumi-Direktive f\u00fcgt sich logisch in das Gesamtsystem der Politik Stalins zur St\u00e4rkung der Sowjetmacht ein. Mit dem Verzicht auf Batumi wollte er offenbar einerseits die B\u00fcndnisbeziehungen zu Kemal Atat\u00fcrk noch weiter festigen und andererseits sowohl die Georgier als auch die Armenier mit der t\u00fcrkischen Bedrohung einsch\u00fcchtern, vor der nur die Sowjetmacht und der Anschluss an die zuk\u00fcnftige Sowjetunion retten konnte. Im Gemeinschaftswerk armenischer Autoren \u201eArmenien. Neuentdeckung einer alten Kulturlandschaft, Berlin 1995\u201c hei\u00dft es bez\u00fcglich der Schaffung des Autonomen Gebietes Berg-Karabach innerhalb der Aserbaidschanischen SSR: \u201eParadoxerweise geh\u00f6rt der Kern der alten Provinz Arzach, die sich als das erste der armenischen Territorien an Russland anschloss, nicht zur Republik Armenien. Unter dem Namen Berg-Karabach wurde dieses mit dem illusorischen Status einer Autonomen Region im Osten des Transkaukasus an die geschaffene Aserbaidschanische SSR angegliedert &#8211; getrennt von Armenien durch einen Korridor, dessen Breite im Latschinskij Rayon nicht mehr als f\u00fcnf Kilometer betr\u00e4gt\u201c. Diese ,,Beschreibung\u201c der Geschichte kann nur \u00e4u\u00dferstes Erstaunen hervorrufen. Daraus geht hervor, dass angeblich das Khanat Karabach 1806 \u00fcberhaupt nicht an Russland anschlossen wurde und der Khan von Karabach Ibrahim 1805 \u00fcberhaupt nicht das Traktat (Abkommen) \u00fcber den Anschluss unterzeichnete. Dieses Erstaunen muss auch den Beigeschmack des Unverst\u00e4ndnisses haben: das zitierte Werk hat, wie schon bemerkt, einen halboffiziellen Status, da es als Vorwort Gru\u00dfbotschaften der damaligen Prasidenten Armeniens und Deutschlands enth\u00e4lt. Am 13. Oktober 1921 wird in Kars unter Beteiligung der RSFSR der Freundschaftsvertrag zwischen der Armenischen SSR, der Aserbaidschanischen SSR und der Georgischen SSR einerseits und der T\u00fcrkei andererseits geschlossen. In Artikel 5 des Vertrages dr\u00fccken die Regierungen der T\u00fcrkei, Armeniens und Aserbaidschans ihre Zustimmung dazu aus, \u201edass das Gebiet Nachitschewan&#8230; ein autonomes Territorium unter dem Schutz von Aserbaidschan bildet.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einem Jahr und zwei Monaten, am 13. Dezember 1922, wurde die Transkaukasische Sozialistische F\u00f6derative Sowjetrepublik gegr\u00fcndet und ihre Verfassung angenommen. Im Zusammenhang damit best\u00e4tigte der Transkaukasische Sowjet-Kongress in seinem Beschluss die administrative Teilung der Mitgliedsrepubliken der F\u00f6deration, die am Datum der Gr\u00fcndung der SSFSR gegeben war, noch einmal. Es ist noch einmal zu betonen, dass Armenien und Aserbaidschan den Vertrag von Kars als unabh\u00e4ngige Republiken unterzeichneten. In dieser Eigenschaft nahmen sie den Beschluss zur Schaffung der SSFSR und ihrer Verfassung. Weder der Vertrag von Kars noch die Verfassung der SSFSR enthielten irgendwelche Hinweise auf Ver\u00e4nderungen bez\u00fcglich des Bergteils von Karabach, da seine Lage innerhalb Aserbaidschans offiziell von alien Seiten anerkannt wurde, darunter auch von der Armenischen SSR. Von 1923 bis zum Niedergang der Sowjetunion nutzte Berg-Karabach erfolgreich seinen autonomen Status innerhalb der Aserbaidschanischen SSR. Auf der Grundlage dieses autonomen Status bewahrten und entwickelten die Karabach-Armenier ihre Kultur, Sprache, Literatur und Lokalverwaltung. Die armenischen Deputierten aus Berg-Karabach waren im Obersten Sowjet von Aserbaidschan vertreten, einer der Stellvertreter des Vorsitzenden des Obersten Sowjets war immer von Berg-Karabach abgeordnet. Erneut stand die Karabach-Frage in den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg wieder im Raum. Im November 1945 brachte der Sekret\u00e4r des ZK Armeniens A. Arutjunow beim ZK der KPdSU (B) einen Antrag \u00fcber die Eingliederung des NKAO in die Armenische SSR ein. In einem pers\u00f6nlichen Brief an J. Stalin schrieb er: \u201eDas Autonome Gebiet Berg-Karabach, das zum Gebiet von Armenien geh\u00f6rt, ist seit 1923 Teil der Aserbaidschanischen SSR. Die Bev\u00f6lkerung dieses Gebietes sind im Wesentlichen Armenier. Von 153.000 Menschen sind 137.000 Armenier&#8221;. Weiter bat er um Untersuchung der Frage der \u00dcbertragung des NKAO an Armenien. Nach Eingang des Schreibens sandte der Sekret\u00e4r des ZK der KPdSU (B) G. Malenkow auf Anordnung Stalins dem Ersten Sekret\u00e4r des ZK der KPdSU (B) von Aserbaidschan K. Bagirow eine Anfrage mit der Bitte um Stellungnahme. In der Antwort stimmte K. Bagirow der Eingliederung des NKAO in die Armenische SSR zu unter der Bedingung, dass Armenien drei an Aserbaidschan angrenzende Rayons an Aserbaidschan abtreten solle. Weiter gediehen die Verhandlungen jedoch nicht: Armenien war keineswegs willens, einen Teil seines Territoriums abzutreten, obwohl es Anspr\u00fcche auf einen Teil der Gebiete des Nachbarstaates anmeldete. Aufgrund des Beschlusses des Ministerrats der UdSSR vom 23. Dezember 1947 und 10. Marz 1948 nahm Moskau, auf Einwirkung der armenischen Lobby innerhalb der damaligen Staats- und Parteispitze, den Beschluss, rund 150.000 Aserbaidschaner, die in verschiedenen Rayons von Armenien lebten, nach Aserbaidschan umzusiedeln. Der neue Wohnort der Umsiedler sollte die Muganer Steppe werden, die in klimatischer und in produktionsstruktureller Hinsicht ein nicht sehr attraktiver Wohnort war. Es wurde auch ein Umsiedlungsplan fur Aserbaidschaner geschaffen: 60.000 im Jahre 1947, 40.000 im Jahre 1948 und 50.000 im Jahre 1950. Als Grundlage fur diesen Schritt dienten Moskau offiziell fehlende Siedlungsorte f\u00fcr den Zustrom von Armeniern aus dem Ausland. Der Zustrom der Armenier erwies sich jedoch als wesentlich niedriger als erwartet, und es kamen nur 50.000 neue armenische B\u00fcrger. Das Resultat war die simple ,,Entfernung\u201c von 150.000 Aserbaidschanern aus Armenien ohne irgendeine durch ,,Produktion\u201c oder ,,Gebiet\u201c bedingte Notwendigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch der entgegengesetzte Prozess war zu beobachten. In Sowjetzeiten zogen immer mehr Armenier in die GroBstadte von Aserbaidschan. In der Hauptstadt Baku beispielsweise betrug in der Zeit des Niedergangs der UdSSR die armenische Bev\u00f6lkerung der Hauptstadt von Aserbaidschan rund 200.000 Menschen, d.h. rund 13% der Gesamteinwohner der Stadt (1,7 Millionen mit Vororten in 1991), deren Sprache \u00fcberwiegend russisch war. In der \u00c4ra nach Chruschtschow wurde von armenischer Seite der jahrzehntelange Status von Berg-Karabach allm\u00e4hlich offen in Frage gestellt. Am 24. April 1965 gingen in Erewan Zehntausende Armenier mit der Forderung nach R\u00fcckgabe des armenischen \u201eTerritoriums&#8221; an die Republik auf die StraBe. 1969 erweiterte die armenische SSR in den Rayons Kasachskij und Sadaraskij ihr Territorium zu Lasten aserbaidschanischen Landes. Eine andere Form des Protests waren die armenischen Petitionen an Moskau um \u00dcbertragung des Autonomen Gebiets Berg-Karabach an die Armenische SSR. 1966 wurde in der Hauptstadt der UdSSR ein von 45.000 B\u00fcrgern unterzeichneter Aufruf vorgelegt, der zur \u00dcbertragung von Berg-Karabach an Armenien aufforderte. Ein Offener Brief \u00e4hnlichen Inhalts, unterzeichnet von Zehntausenden von B\u00fcrgern, wurde an den 27. Kongress der KPdSU gesandt. Die Antworten aus Moskau waren stets negativ, aber diese Aktionen bereiteten der Besetzung von Gebieten der Republik Aserbaidschan durch Armenien den Boden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aus dem Buch &#8220;Berg-Karabakh in der Geschichte Aserbaidschans und die Aggression Armeniens gegen Aserbaidschan&#8221; von Johannes Rau, Verlag Dr. K\u00f6ster, 2009, Seite 203<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMit Worten stehen alle Politiker auf dem Weg des Rechts und der Gerechtigkeit, aber jeder von ihnen geht seinen eigenen Weg &#8211; einen pragmatischen. 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